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Patienten brauchen Klarheit – wie leicht verständliche Behandlungspläne dabei helfen können

Aus Arztbriefen werden Behandlungspläne, werden Patientenbriefe. Wie leicht verständliche Behandlungspläne Patienten zu selbstbestimmten Gesundheitsentscheidungen verhelfen. Im Interesse aller Beteiligten braucht das Gesundheitssystem aufgeklärte Patienten, durch strukturierte Arztbriefe.
Vom 18.07.20 - Autor: Dr. med. Werner Huber
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Viele medizinische Fachkräfte sind sich über die weitreichenden Folgen der Konsequenzen bewusst, die durch Unwissenheit der Patienten entstehen können. Im Interesse der allgemeinen Gesundheit sollten Patienten umfassend aufgeklärt werden. Stichwort: Patient Empowerment (aus dem Englischen: Patienten-Ermächtigung).  

Patient Empowerment

Digitale Gesundheitsanwendungen bieten Ärzten die Möglichkeit ihre Patienten in neue Rollen zu verhelfen. Denn sie verdienen es bei Entscheidungen ihre Gesundheit betreffend mitreden zu dürfen. Zu viele Patienten wissen nicht über ihre Diagnose, Therapieoptionen noch Nebenwirkungen/Konsequenzen Bescheid. Doch sollten Patienten über ihre gesundheits-entscheidenden Bestimmungen Bescheid wissen und diese nachvollziehen können. 

Patienten mit chronischer Erkrankung

Diejenigen, die dauerhaft ihren Arzt aufsuchen müssen, ist es ein besonderes Anliegen ihre Erkrankung durch Informationen zu verstehen, bei der Therapie mitzuentscheiden und schließlich wesentlich zur Heilung mitzuwirken. Chronisch-kranken Patienten begegnet das Problem nicht Teil der gesundheits-relevanten Entscheidung zu sein häufiger. Sie haben historisch festgelegte Rollen in der Beziehung zu ihren Ärzten, deren Expertenwissen nicht in Frage gestellt wird. Das oberste Ziel sollte es hierbei sein, die Beschwerden, die mit der Erkrankung einhergehen, zu verringern und das Fortschreiten zu stoppen. Darüber hinaus sollen negative Folgen und Komplikationen abgewendet werden.

Jedoch ermöglicht die Eigenverantwortung bei der Therapieplanung bessere Heilungschancen zu erzielen. Während Ärzte natürlich ausgewiesene Experten in ihrem Bereich sind, liegt es jedoch an den Patienten ihre Therapie stringent einzuhalten. D.h. in anderen Worten: Während die Ärzte in der Lage sind zu diagnostizieren und aktuelle Leitlinien anzuweisen, liegt die Umsetzung fast ausschließlich beim Patienten. Und dieser muss die Vorgaben nicht nur verstehen, sondern sich auf über etwaige Konsequenzen und Nebenwirkungen bewusst sein. Nur so – also mit Patient Empowerment – kann der Therapieerfolg gelingen. Eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigte deutlich bessere Ergebnisse für ältere Krebspatientinnen die Zusatzinformationen zur Genesung erhielten (Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26378939/).

Natürlich bedeutet transparente Aufklärung nicht, dass Patienten sich künftig selbst diagnostizieren. Denn besonders bei chronischen Erkrankungen, die zumeist bereits diagnostiziert sind, ist die Aufklärung und Verantwortung so wichtig. Denn die Patienten sind es, die mit den Nebenwirkungen, der Stressbewältigung sowie den möglichen weiteren Untersuchungsmethoden umgehen müssen. 

"Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen."

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Digitaler Behandlungsplan

Ein Behandlungsplan ist ein abgestimmtes Verfahren zur medizinischen und psychosozialen Diagnostik und entsprechender Behandlung. Sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich können mittels Behandlungsplan Qualität und Effizienz sichergestellt werden. Durch strukturierte Prozesse erlaubt es ein Behandlungsplan dem Patienten sich über seine Erkrankung zu informieren. So wird Patient Empowerment zur Realität, und ärztliche Behandlung langfristig verbessert. 

Im Bereich der chronischen Erkrankungen hat sich für strukturierte Behandlungspläne das sog. Disease-Management-Programm (DMP) durchgesetzt (auch genannt: „Chronikerprogramm“).  

Muster Behandlungsplan 

Nach Gesprächen, Untersuchungen und dem Shared-Decision Making erstellt der Arzt auf Grundlage der strukturierten Behandlungspläne einen Patienten-individuellen Therapieplan. Die einzelnen Behandlungsschritte werden somit dokumentiert und sind nachvollziehbar. Die Patienten haben somit die Möglichkeit aktiv an der Behandlung mitzuarbeiten. 

Einen Muster-Behandlungsplan enthält und erklärt die folgenden Punkte:
  • Erste Sprechstunde: Anmeldung, Vorbereitung, Ablauf, Anamnese, wichtige Befunde
  • Diagnostik: Bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen, Psychologische Befragungen
  • Intervention: Operative Therapie, Radiologische Interventionen, Katheter-Eingriffe, weitere Interventionen
  • Medikamente: Medikamentöse Therapie, Chemotherapie, Antikörpertherapie
  • Nachsorge: Kontrolluntersuchungen, Verlaufskontrollen, Lebensqualitätsmessungen, App-basierte Verlaufskontrollen
  • Reha / AHB: Rehabilitative Möglichkeiten, Anschlussheilbehandlung

Autor: Dr. med. Werner Huber

Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie

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