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Warum sind Anamnesegespräche wichtig und wie funktionieren sie digital?

Im Anamnesegespräch erfährt der Arzt die relevante Vorgeschichte eines Patienten. Zudem gibt es die Möglichkeit gezielte Fragen zu stellen, um wichtige Zusatzinformationen zu gewinnen. Lesen Sie hier, welche Arten der Anamnese es gibt, was alles dazu gehört, und wie ein Anamnesegespräch auch digital ablaufen kann.
Vom 01.07.20 - Autor: Alexander Zuber
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Seit Jahren sprechen und schreiben Experten sämtlicher Fachdisziplinen nur noch von der Digitalisierung – so auch im Gesundheitswesen. Doch womit soll ich in meiner Sprechstunde anfangen? Welchen Schritt soll ich als Erstes tun, bevor ich mich in zahlreichen Systemen verlaufe. Ist es gleich die Entwicklung komplizierter Algorithmen oder gar Künstliche Intelligenz? Nur langsam entwickeln sich digitale Angebote, die intuitiv für den Hauptnutzer Arzt bedienbar sind. Wir wollen Ihnen zeigen wo Sie Ihren Digitalisierungsweg am besten anfangen, ohne direkt ein Großprojekt starten zu müssen. Denn IT-Technologie soll Sie unterstützen, nicht andersherum! 

Der Artikel wurde für Ärztinnen und Ärzte geschrieben , die: 
  • viele Patienten behandeln und stressige Arbeitsalltage haben
  • mehr Zeit für inhaltliche Themen und Fortbildung wünschen
  • innovative Technologie als unterstützend empfinden
  • nicht immer alles wie gewohnt machen wollen!

In unserer Artikelserie finden Sie eine Übersicht der besten Anwendungsbereiche für „Digital Health“, die Sie ohne externe Hilfe in wenigen Schritten für Ihre Sprechstunde realisieren können. 

Aller Anfang ist die Anamnese. Lesen Sie hier, welche Formate zur Anamnese es gibt, was alles dazu gehört, wie ein Anamnesegespräch ablaufen sollte und wie Sie das Ganze digital gestalten. Dieser Beitrag ist in fünf Abschnitte unterteilt: 

  1. Wann macht man eine Anamnese?
  2. Was muss ich bei der Anamnese beachten? 
  3. Warum sollten sich Anamnesegespräche regelmäßig wiederholen?
  4. Welche Vorteile birgt die „digitale Anamnese“?
     
Die Anamnese (ursprünglich aus dem Griechischen: die Erinnerung) stellt einen wesentlichen Bestandteil zur Diagnostik von Krankheiten dar. In Anamnesegesprächen erfährt das medizinische Personal die persönliche und medizinische Vorgeschichte des Patienten und kann durch strukturierte Fragen wichtige Zusatzhinweise und relevante Informationen gewinnen.


 1. Wann macht man eine Anamnese?

„Vorgeschichte einer Erkrankung“ lautet eine gängige Definition der Anamnese. Mit der Unterstützung offener und konkreter Fragen im Dialog erhält das medizinische Fachpersonal nicht nur relevante Informationen über die aktuellen Beschwerden des Patienten, sondern auch über deren Entstehung und die medizinische Vorgeschichte. Auch die Lebensumstände der Patienten können so erwähnt, besprochen und dokumentiert werden. Insbesondere die Erstanamnese sollte besonders ausführlich sein, damit sich erstens das medizinische Personal ein umfassendes Bild vom Patienten machen kann, und die Aufnahmedokumentation über die weitere Behandlung entscheidend ist. 

Kommen die Informationen im Anamnesegespräch vom Patienten selbst, spricht man von einer Eigenanamnese. Werden naheliegende Personen wie beispielsweise Verwandte oder Betreuer befragt, nennt man dies Fremdanamnese. Zusätzlich können die Formate der Anamnese in diverse Untergruppen eingeteilt werden, wenn sie sich nach einem bestimmten Besuchsgrund oder Thema richten. 

Eine ausführliche Anamnese bzw. ein gründliches Anamnesegespräch steht am Anfang jeder Diagnostik. Und je gründlicher die Diagnostik, desto besser die Therapie. Vor der körperlichen Untersuchung macht sich der Arzt ein umfassendes Bild. Einerseits vom Patienten und seinen Beschwerden, andererseits von der entsprechenden Wahrnehmung. Die gewonnenen Erkenntnisse führen zu den potenziellen Ursachen (Verdachtsdiagnosen), die entweder ausgeschlossen oder bestätigt werden. Welche Anamneseformen zum Einsatz kommen, sollten von der medizinischen Fragestellung (chronische vs. akute Erkrankung) und dem persönlichen Bedarf des Arztes abhängen. 

Bei folgendem Potpourri an Erkrankungen ist die Anamnese besonders wichtig: 
  • Endometriose
  • Myome 
  • Adipositas
  • Multiple Sklerose
  • Kopfschmerzen 
  • Migräne
  • Fazialisparese
  • Diabetes
  • Depression
  • Akne
  • Psoriasis
  • Neurodermitis
  • Haarausfall
  • Allergien
  • Karies / chron. Knirschen
  • Potenzstörungen
  • Inkontinenz
  • Tinnitus
  • Morbus Menière
  • Schwindel
  • Hypertonie
  • Leberzhirrose
  • Reizdarmsyndrom
  • Rheuma
  • Bandscheibenvorfall
  • Krampfadern
  • Asthma / Apnoe
  • Schlafstörungen

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 2. Was muss ich bei der Anamnese beachten? 

Achten Sie zuallererst auf die förmliche Begrüßung Ihres Patienten. Ermöglichen Sie es dem Patienten einen Verwandten oder engen Freund mitnehmen zu dürfen und sich für die Erstanamnese in einen ungestörten Raum zu begeben. Bestenfalls kommt der Patient allerdings bereits mit einer fertigen Anamnese, die auch als Vorbereitung auf die Sprechstunde dienen kann und Ihr Anamnesegespräch erleichtern wird. 

Zu Beginn Ihrer Anamnesegespräche sollten Sie mit einer wohl-verinnerlichten Fragenabfolge starten. Dafür haben wir für Sie einen Anamnesebogen Muster in drei Abschnitten erstellt: 

Schritt 1) Patient kennenlernen 
Damit kann sich der Patient einfacher der Situation anpassen und sein aktuellen Beschwerden frei vortragen. Typische „Ice-Breaker“-Fragen können sein: 
  • Was führt Sie zu mir?
  • Wo und seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Haben sich die Beschwerden verändert?
  • Wurde bereits etwas unternommen?
Achten Sie darauf die wichtigsten Punkte des Anamnesegesprächs zu vertiefen. Alle weiteren Fragen sollten schriftlich vom Patienten vor Ihrem Gespräch beantwortet vorliegen. Verwenden Sie unbedingt Zeichnungen als Grundlage für Ihr Gespräch.

Schritt 2) Gespräch vertiefen
Um insbesondere die Krankengeschichte besser kennenzulernen, orientieren Sie sich an folgendem Schema: 
  • Wurden Sie schon einmal operiert?
  • Bestehen bei Ihnen Vorerkrankungen?
  • Leiden Sie unter Bluthochdruck?
  • Haben Sie Allergien?

Schritt 3) Rechtlich absichern
Zur rechtlichen Absicherung eines Anamnesegesprächs gehören außerdem Medikamenten- und Familienanamnese. Damit Sie die Patientenangaben prüfen können, schlagen wir Ihnen folgende Fragen vor: 
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente?
  • Hatten Ihre Eltern gesundheitliche Beschwerden?
  • Wer kümmert sich um Sie, wenn es Ihnen schlecht geht?

Mit Hilfe dieser Fragen grenzen Sie die möglichen Ursachen ausführlich und effizient ein. Bestimmte Themen können zur speziellen Abrechnung der Anamnese (GOÄ) verstärkt ergründet werden. 

Das Anamnesegespräch muss einer bestimmten Struktur folgen und einen klaren Ablauf haben. Nur so kann eine zeitsparend und qualitative Diagnostik beginnen. Selbstverständlich muss jeder Arzt seine Struktur an die Krankheitsbilder anpassen. Erst nach umfassenden Anamnesegespräch nach Anamnesebogen Muster folgen die körperliche Untersuchung und weitere diagnostische Schritte.

3. Warum sollten sich Anamnesegespräche regelmäßig wiederholen?

Eine Anamneseerhebung als solches birgt in der Regel keine Risiken. Gleichzeitig ermöglicht sie effizient zur Behandlungsqualität beizutragen. Zudem unterstützt sie den vertrauensvollen Kontakt zwischen Arzt und Patient herzustellen oder aufrecht zu erhalten. Die Informationen der Arzt-Patienten-Kommunikation unterliegen der Schweigepflicht oder in digitaler Form der DSG-VO Artikel 9 (Gesundheitsdaten). Durch wechselnde Lebensumstände ändern sich die Gesundheitsangaben der Patienten laufend. Deshalb sollte präzise Angaben regelmäßig beziehungsweise in fortlaufenden Abständigen nachgefragt werden. So behalten Sie den Überblick über die Anliegen und Beschwerden Ihrer Patienten. Aufgrund des Zeitmangels, der in der Natur der medizinischen Berufe steckt, sollten Sie hier elektronische Unterstützung für Ihre Anamnesegespräche in Betracht ziehen. So gehen Dinge, die den Patienten vielleicht in Bezug auf ihre Beschwerden oder Erkrankung zunächst nicht wichtig erscheinen nicht in Vergessenheit. Auch werden diese Dinge vor lauter Aufregung in der Sprechstunde nicht vergessen. 


4. Welche Vorteile birgt die „digitale Anamnese“?

Durch automatisierte Abfragen ab Terminvereinbarung können Sie Ihre Patienten digital befragen und den Papierkrieg bzw. den Zeitstress besiegen. Reduzieren Sie Ihre analogen Archive und lagern Sie Daten Ihrer Patienten digital. Und das bereits mittels strukturierter Formulare. 

Durch die Digitalisierung des Startpunktes ärztlichen Handelns, können Sie folgende Vorteile genießen: 

  • Patienten füllen die Anamnese zuhause aus (Wartezimmer-Management!)
  • Verstehen Sie auf einen Blick die Beschwerden und Bedürfnisse Ihrer Patienten
  • Beobachten Sie den Therapieverlauf Ihrer Patienten und rufen Sie beliebig Ergebnisse ab
  • Automatische Dokumentation des Besuchsgrundes zur Abrechnung
  • Nutzen Sie Ihre wertvolle Zeit besser
 
Zwar gibt es mittlerweile zahlreiche Angebote für digitale Sprechstunden, doch nutzen Sie nur Lösungen die Sie eigenständig ohne Programmierkenntnisse bedienen und ändern können. So sichern Sie sich Zugriff, Aktualisierung und Langfristnutzen der Technologie. Denn wenigstens einen Überblick der eigenen digitalen Lösungen sollte man behalten. 


Autor: Alexander Zuber

 Ex-Charité Manager & Mitgründer von Deep Health GmbH 

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